»Das Leben besteht aus vielen Doppelpässen«
Gespräch mit Schiedsrichter- Legende Markus Merk – Referat zur Eröffnung von Fokus Beruf in Backnang
BACKNANG. Er ist der bekannteste Fußball-Schiedsrichter Deutschlands und gilt international als einer der erfolgreichsten Referees überhaupt. Dr. Markus Merk hielt gestern zur Eröffnung der Ausbildungsmesse Fokus Beruf in Backnang ein Impulsreferat. Unsere Zeitung hat sich im Vorfeld mit dem dreifachen Weltschiedsrichter unterhalten.
VON PETER WARK
Herr Dr. Markus Merk, sie haben ein Referat bei der Messe Fokus Beruf gehalten. Was können sie jungen Menschen mitgeben, die sich mit ihrer persönlichen und beruflichen Zukunft beschäftigen?
Das Leben steckt voller Entscheidungen persönlicher und privater Natur, und das gilt bereits für junge Menschen. Das Leben besteht eben aus vielen Doppelpässen. Zu den besonders wichtigen Lebensentscheidungen zählt sicher die Berufswahl. Ich kann aus meinem eigenen Leben voller Entscheidungen auf und neben dem Fußballplatz berichten. Natürlich kann ich keinem jungen Menschen eine Entscheidung abnehmen, aber ich kann versuchen, Reize zu setzen und Bestätigung zu geben.
Hilft Ihre Popularität, um Jugendliche besonders gut zu erreichen?
Ich denke schon, aber das müssen andere beurteilen. Wenn man mich zum Beispiel zu einem Vortrag nach Backnang einlädt, dann ist das ein Vertrauensvorschuss, und man verspricht sich natürlich davon, dass sich bei den jungen Leuten etwas bewegt. Ich will mich bewegen und ich will andere bewegen.
Viele Jugendliche träumen von einer großen Karriere as Fußballer, doch nur die allerwenigsten schaffen diesen Schritt. Welchen Rat würden sie einem jungen Menschen geben, der unbedingt Fußballprofi werden will?
Wenn jemand diesen Traum hat, dann soll er den Traum leben. Talent muss unbedingt unterstützt werden, parallel dazu müssen aber auch Sozialkompetenz und Sozialintelligenz entwickelt werden. Das ist eine Forderung, die primär an die Eltern der Jugendlichen gerichtet ist. Es kommt darauf an, andere Dinge neben dem Sport nicht zu vernachlässigen. Nur wer rechnen kann, wird später auch mit Geld umgehen können. Man darf nicht vergessen, dass es extrem wenige tatsächlich bis an die Spitze schaffen.
Vermittelt der Sport jungen Menschen Ihrer Meinung nach Werte und Verhaltensmuster, die auf das (Berufs-) Leben übertragen werden können?
Absolut. Ohne andere Bereiche wie Musik oder Kunst abzuwerten, liefert der Sport für mich die schönsten Beispiele, was Basiswerte, Emotionen und Fair Play angeht. Die beste Familie nach der eigenen sind meiner Meinung nach Sportvereine, weil der junge Mensch hier viel fürs Leben mitnehmen kann. Hier werden Werte vermittelt und vorgelebt. Josef Neckermann hat einmal gesagt: Wer im Sport etwas erreicht, der wird auch im Leben etwas erreichen. Als junger Mensch kann man aus dem Sport für alle Lebensbereiche etwas mitnehmen.
Teilen Sie den Eindruck, dass die Sitten auf dem Fußballplatz und auch außerhalb in den letzten Jahren zunehmend verwildert sind?
Man ist immer schnell geneigt, vom Wandel der Zeiten zu sprechen. Aber man kann nicht sagen, dass die Sitten allgemein verrohen. Das gab es schon in den Vierzigern und Fünfzigerjahren, dass sich Schiedsrichter in die Kabine flüchten mussten. Man darf nicht übersehen: Der Fußball hat in den letzten zwanzig Jahren eine große Entwicklung durchlaufen. Alles ist schneller und viel intensiver geworden. Dazu kommt die Entwicklung in der Medienwelt. Jede Szene läuft heute hundertmal, jede Reaktion wird öfter gezeigt, als ein toller Spielzug. Man kann also nicht pauschal von einer Verrohung der Sitten sprechen.
Schiri, Zahnarzt, Entwicklungshelfer
(wa) – Als Fußballreferee hat er fast alles erreicht. Markus Merk (Jahrgang 1962) aus Kaiserslautern, Bundesliga-Rekordschiedsrichter hat das EM- Endspiel 2004 gepfiffen, ebenso das Champions-League-Finale 2002/2003, das Finale im Europapokal der Pokalsieger 1996/97, hat WM- und Olympia-Einsätze absolviert und überhaupt viele Jahre international auf höchstem Niveau gepfiffen. Er ist in Deutschland heute zweifellos der Bekannteste seiner Zunft. Auch abseits vom Rasen ist der studierte Zahnmediziner vielfältig aktiv. Seine Praxis hat er inzwischen verkauft und ist mit seinem „Ein-Mann-Unternehmen“ (Merk über Merk) als Referent und Managertrainer aktiv. Seit langem nutzt er seine internationale Reputation, um Entwicklungshilfeprojekte vor allem in Indien unterstützen.
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05. März 2009
Backnanger Kreiszeitung
von Peter Wark
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