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Eröffnungsveranstaltung zur Ausbildungsmesse Fokus Beruf – Entscheidungen auf und neben dem Fußballplatz
BACKNANG. „Wir sind im Leben alle Schiedsrichter“. Das mag bisher nicht jeder so gesehen haben. Gastredner Dr. Markus Merk machte diese These bei der Eröffnung der Ausbildungsmesse Fokus Beruf transparent. Im Leben gilt es ständig Entscheidungen zu treffen. Eben wie auf dem Fußballplatz.
VON PETER WARK
„Das Wichtigste im Leben ist die Wahl des Berufes. Der Zufall entscheidet darüber.“. Mit diesem Zitat des französischen Physikers und Philosophen Blaise Pascal führte Landrat Johannes Fuchs am Mittwoch in die Eröffnungsveranstaltung dieser zweiten kreisweiten Berufsausbildungsmesse ein, die heute und morgen auf der Maubacher Höhe stattfindet. Annähernd 90 Unternehmen und Institutionen informieren Jugendliche aus dem gesamten Rems-Murr-Kreis über berufliche und schulische Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Der Beruf, so Fuchs, sei nicht nur die ökonomische Grundlage des Lebens, sondern trage auch zur Persönlichkeitsbildung bei und ermögliche die direkte Teilhabe an der Gesellschaft. Fuchs sprach als Vertretung des Landkreises, der gemeinsam mit der Arbeitsagentur, Südwestmetall, der IHK, der Handwerkskammer und dem Kreisjugendring den Trägerkreis bildet, der Fokus Beruf initiiert hat.
Unter das Motto „Sich(er) entscheiden!“ hatte der Gastredner sein Referat gestellt. Markus Merk, der dreifache Weltschiedsrichter, schlug den Bogen von seiner beeindruckenden Karriere auf dem Fußballfeld zum Alltag und zur Berufswelt. Frei sprechend, selbstbewusst, sympathisch, im unverkennbaren Zungenschlag des Pfälzers, redete er exakt eine Stunde lang und fand immer wieder die Parallele zwischen dem Sport und dem wahren Leben. Die richtigen Entscheidungen zu treffen, sei im Alltag so wichtig wie auf dem Feld, und beide Mal gelte: Fehlentscheidungen gehören dazu. „In der emotionalen Welt eines Fußballstadions die richtige Entscheidung zu treffen, ist für den Schiedsrichter eine Art Lebensversicherung.“
Der Mann aus Kaiserslautern („Die Stadt in der Fußball erfunden wurde“) versteht sich in seinen Vorträgen als Motivator, als einer, der bewegt. Er findet griffige Beispiele und zur visuellen Unterstützung sind hinter ihm riesengroße Fotos auf der Leinwand zu sehen. Man darf hinfallen, sagt er, und man sieht den Schiedsrichter Merk auf dem Boden liegen. Unverzeihlich sei es nur, wenn man nicht wieder aufsteht. Er bedient sich in seinem 60-minütigen Vortrag der Bilder und Metaphern.
Der Fußball und das wirkliche Leben sind im gewissen Sinne eins. Das Umsetzen von Regeln macht nicht immer Spaß. Aber: „Ein sicherer Entscheider zu sein, bedeutet Regeln zu vermitteln, festzulegen und umzusetzen.“ So gesehen, sind wir alle Schiedsrichter, Spielleiter im Umgang mit der Familie, den Kollegen, den Freunden. Im Berufsleben gelte eine Weisheit aus dem Fußball: Es gibt kein funktionierendes Team ohne Hierachie. Immer wieder findet Merk den Bogen zum Fußball, vermeidet aber anekdotisch zu werden. Der Zuschauer sieht Fotos von Merks erstem Fußballschuh, Model „Uns Uwe“ mit den drei Streifen an der Seite, und er sieht den glückstrahlenden Markus Merk nach dem EM-Finale 2004.
Philosophisches von Markus Merk hört sich so an: „Wer sich über sein Fehler nicht mehr ärgert, der ist auf dem Weg nach unten“; „Das Leben findet heute statt“; „Jedes Spiel ist ein Projekt“.
Natürlich gibt der ehemalige Zahnarzt seinen Zuhörern auch das, wonach sie gieren: Er streut wohldosierte kleine Geschichten über große Stars ein. Da ist David Beckham, den Merk als sympathisch, kommunikativ, aber eben auch ein Stück weit berechnend charakterisiert. Ganz anders der große Zinedine Zidane. Ein absolut ruhiger Typ, der sich nie beim Schiedsrichter und nie den Dialog mit dem Referee gesucht hat und auch außerhalb des Platzes immer ein sehr zurückhaltender freundlicher und bescheidener Mensch geblieben sei. Kein Vergleich zu einem Luís Figo. Der portugiesische Superstar entziehe dem Schiedsrichter „sofort ein paar Prozent der Energie“, weil er bei jeder Entscheidung präsent sei und versuche, auf den Mann mit der Pfeife einzuwirken.
Merk berichtet vom Gäsehautfeeling im Stadion Nou Camp in Barcelona, von der einzigartigen Atmosphäre an der Anfield Road in Liverpool. Passend dazu endet sein Vortrag mit der Fußballhymne schlechthin, „you´l never walk alone“. Die als Motto über dem Eingang zum Anfield- Stadion prangt.
Zuvor aber findet Merk noch die Kurve zu seiner Herzensangelegenheit, den Hilfsprojekten für arme Kinder im Süden Indiens. 1991 begann er in seiner Freizeit in Indien als Zahnarzt zu arbeiten, gründete in den Folgejahren mehrere selbstständige Entwicklungsprojekte. Bis heute sind mehrere Kinderdörfer mit drei Schulen und einem Duzend Waisenhäuser entstanden. Die Arbeit in Indien, das ist für Merk „eine ganz andere Entscheidungswelt“. Auch hier muss man sich(er) entscheiden.
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02. März 2009
Backnanger Kreiszeitung
von Peter Wark
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