Ein Familienausflug zur Messe
Eltern informieren sich zusammen mit Kindern – Gespräche intensiver als am Vortag
BACKNANG. Das Konzept der Ausbildungsmesse Fokus Beruf ist aufgegangen: Informierten sich die Jugendlichen am Freitagvormittag in ihren Schulklassen über die verschieden Berufsbilder, kamen etliche von ihnen am Nachmittag oder am Samstag erneut in die Hallen auf der Maubacher Höhe – ihre Eltern im Schlepptau.
So entstand der Eindruck, als hätten viele Familien ihren Wochenendausflug zur Ausbildungsmesse unternommen. Mit tröpfchenweisen Besuchern begann der Messe-Samstag um 9 Uhr. Doch schon nach einer Stunde schienen die Gänge zwischen den Ständen schmaler geworden zu sein, so dicht an dicht drängen sich Mamas, Papas, Söhne und Töchter. Das blieb durchgängig so, bis zum frühen Nachmittag. Ein Zeichen dafür, dass das Konzept der Messe, die Schulklassen-Besuche am Freitag als Multiplikator zu nutzen, richtig ist. Denn dass das Elternhaus die Ausbildungswahl des Sprösslings mitträgt, ist ein entscheidender Moment, sagt Ruth Deichmann vom Landratsamt.
Und manche Eltern interessierten sich an diesem Tag so sehr für die vorgestellten Berufe, als müssten sie sich selbst noch mal für die Ausbildung entscheiden. Die Aussteller waren sich einig, dass manche Eltern schon gern beim ein oder anderen Unternehmen, das sich präsentierte, beginnen würden Die Gespräche an diesem zweiten Ausbildungstag waren intensiver, der Informationsbedarf deutlich höher, die Fragen zu den Berufen konkreter, resümierten die Unternehmen und Institutionen. „Wir wollen unsere Tochter unterstützen und ihr auch Vorschläge machen können“, begründete ein Ehepaar aus Schwaikheim sein Interesse an den Ausbildungsmöglichkeiten. Ganz gezielt wurden da einzelne Stände angesteuert, die sich die Erwachsenen auf den Karten in der Messe-Sonderbeilage unserer Zeitung eingekringelt hatten. Andere konnten nicht so zielstrebig sein: „ Der Beruf für meine Tochter muss erst noch erfunden werden“, klagte eine Mutter. Das Heft in der Hand hatten oft die Eltern, auch im übertragenen Sinn. Sie redeten mit den Azubis, Ausbildungsleitern und Firmenchefs. Die Söhne und Töchter trauten sich oft nicht so recht. „Sie können ruhig mit ihr reden, nicht mit mir“, forderte zum Beispiel eine Mutter ihren Gesprächspartner auf und deutete dabei auf ihre Tochter. Eine Beobachtung, die auch Joachim Rapp von der Kreishandwerkerschaft gemacht hat: „Man muss aufpassen, dass man die Jungen ins Gespräch bringt.“
Gerade, weil Eltern häufig um die berufliche Zukunft des Nachwuchses besorgt sind, hatten die Handwerker in ihrem Zelt am Samstag Hochkonjunktur, - wecken Berufe wie Bäcker, Metzger, Schreiner, Schornsteinfeger, Maler oder Gartenbauer wegen ihrer Beständigkeit Interesse. So konnten die Stuckateure zum Beispiel anschaulich belegen, dass die Messe für sie erfolgreich verlaufen ist: Sie hatten an ihrem Stand eine vier Meter hohe Karriereleiter aufgestellt. So viele Besucher haben diese während der zwei Tage erklommen, um ein Los aus dem Korb an der oberen Sprosse zu ziehen, dass die Leiter zusammengerechnet über 6000 Meter lang wäre.
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09. März 2009
Backnanger Kreiszeitung
von Nicola Schneider
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