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Für optimale Orientierung im Berufsdschungel

WAIBLINGEN. Unter dem Titel „Fokus Beruf” steht eine Berufsausbildungsmesse, die erstmals am 7. und 8. März nächsten Jahres im Beruflichen Schulzentrum in Waiblingen stattfinden wird. Sechs Institutionen bildeten dafür einen Trägerkreis, Generalsponsor ist die Kreisvereinigung der Volksbanken Raiffeisenbanken im Rems-Murr-Kreis.

VON INGRID KNACK
Geplant ist zunächst jährlich eine Messe in den nächsten drei Jahren. Mit 150 000 Euro unterstützen die Volksbanken Raiffeisenbanken dieses Projekt. Bei einer Pressekonferenz gestern im Landratsamt in Waiblingen wurden die entsprechenden Verträge von Alfred Meßmer, Vorsitzender der Fellbacher Bank, Werner Schmidgall, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Backnang, und Rudolf Zeisl, Vorstandssprecher der Volksbank Rems, sowie Vertretern des Trägerkreises unterschrieben.

„Fokus Beruf” wird ferner mit finanziellen Mitteln der Vertieften Berufsorientierung von der Bundesagentur für Arbeit und den sechs Initiatoren gefördert. Die sechs Mitglieder des Trägerkreises sind die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, die Agentur für Arbeit Waiblingen, die Kreishandwerkerschaft Rems-Murr, der Kreisjugendring, der Arbeitgeber-verband Südwestmetall und der Rems-Murr-Kreis. Trotz zahlreicher Förderangebote tun sich Jugendliche laut Landrat Johannes Fuchs in den Abschlussklassen aller Schularten bei der Suche nach einem passenden Ausbildungs- oder Studienplatz vielfach schwer. Gleichzeitig haben Unternehmen zum Teil Probleme, qualifizierte Nachwuchskräfte zu finden. Fuchs: „Bereits heute ist der Mangel an Fachkräften im Rems-Murr-Kreis Realität beispielsweise in der Metallbearbeitung, im Maschinenbau und in etlichen Handwerksberufen.” Die demografische Entwicklung verschärfe diese Problematik weiter. „Fokus Beruf” wird schwerpunktmäßig kleinen und mittelständischen Ausbildungsbetrieben eine Plattform bieten, sich in Sachen betriebseigene Nachwuchsgewinnung zu präsentieren. Die Veranstaltung geht aber weit über die persönlichen Begegnungen zwischen den Ausbildungsplatzsuchenden und den Anbietern hinaus: Schüler können sich obendrein durch ein breites Workshop-Angebot zu Berufs-, Ausbildungs- und Bewerbungsthemen informieren. Der erste Messetag ist auf die Zielgruppe Schulklassen, der zweite Tag auf Familien zugeschnitten. Mit dem von Vertretern aus Politik und Wirtschaft Ende Juni vereinbarten Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung in Baden-Württemberg 2007 bis 2010 ist unter anderem die Forderung verbunden, dass sich die Arbeitsagenturen im Ländle an mindestens einer Maßnahme zur Vertieften Berufsorientierung beteiligen, erinnerte Annette Schanbacher, Teamleiterin Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Waiblingen. Die Messe biete Jugendlichen die Möglichkeit, aufgrund der umfassenden Informationen eine „deutlich bessere Entscheidung” zu treffen. Es gehe darum, flexibel zu sein, damit sich die Jugendlichen an ihren Fähigkeiten und Qualifikationen orientieren und nicht an dem, was sich gut anhöre und gerade besonders modern sei. In diesem Jahr kommen zum Beispiel auf eine Ausbildungsstelle im Einzelhandel vier Bewerber. Noch beliebter ist der Beruf des Reiseverkehrskaufmanns. Wird ein solcher Ausbildungsplatz ausgeschrieben, finden sich im Durchschnitt 15 Interessenten. Mehr Chancen, auf eine Bewerbung hin genommen zu werden, haben potenzielle Industrieelektroniker (rein rechnerisch: eine Stelle, 1/2 Bewerber) oder Fachkräfte für Brief- und Frachtverkehr (15 Stellen, ein Bewerber). Auch Hans-Martin Gayer, der Leitende Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, ging auf das Thema Fachkräftemangel ein: „Die Zahl der offenen Stellen in der Region wächst.” Eine Antwort darauf ist nach seinen Worten zudem eine wirtschaftsfreundliche Arbeitsmarkt-, Zuwanderungs- und Familienpolitik.

Dass die Berufsausbildungsmesse ein Erfolg wird, dessen ist sich Roland Wöhr, Kreishandwerksmeister Rems-Murr, sicher. Er erinnerte an die Azubi-Messe auf dem Killesberg in Stuttgart, die stets auf große Resonanz stoße. Insbesondere ging er auf mögliche Karrieren in Handwerksberufen ein. Dr. Isabell Becker, Geschäftsführerin des Verbands Südwestmetall, Bezirksgruppe Rems-Murr, machte deutlich: „71 Prozent aller Südwestmetall-Firmen in Baden-Württemberg bilden aus.” Grünen-Politiker Daniel Mouratidis nahm als Vertreter des Kreisjugendrings an der Pressekonferenz in Waiblingen teil. Sein Schwerpunktthema war die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auch auf dem beruflichen Sektor.

 

24. Juli 2007
Backnanger Kreiszeitung
von Ingrid Knack

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