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Das alles kann man lernen

SCHORNDORF. Vom automatischen Krawattenbinder bis zu Wissenswertem über „Musik- und Sound-Design“: „Fokus Beruf“, die Ausbildungsmesse für den Rems-Murr- Kreis, bietet an 87 Ständen in Schorndorf harte Fakten und pfiffige Präsentationen. Ein Rundgang.

Also, bei der CMT geht’s zwar ums Urlaubsvergnügen und nicht ums harte tägliche Tagewerk – aber die Tourismus-Schau auf den Fildern ist auf jeden Fall enger, drängliger und stressiger als die Rems-Murr-Ausbildungsmesse. In den beiden Sporthallen des Schorndorfer Schulzentrums Grauhalde herrscht eine angenehm lichte, entspannte und freundliche Atmosphäre. Und das Überraschende: Die Messe vermittelt nicht nur Informationen satt, sondern ist stellenweise auch von durchaus beachtlichem Unterhaltungswert und Staunfaktor. Da ist zum Beispiel der Stand der Hochschule Esslingen, Zweigstelle Göppingen, Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik: Studenten haben auf Anregung eines Unternehmers, der keine Lust mehr hatte, sich vor Businessmeetings immer mit dem Windsorknoten abzuplagen, eine Krawattenbindemaschine entwickelt: Einfach den Würgestrick einlegen – und er kommt perfekt geschlungen wieder raus. Könnte eine marktfähige Idee sein; in Hotels gibt es schließlich auch Schuhputzautomaten. Oder das Projekt „Job-Engine“ des Kreisjugendrings: Hier geht es darum, Schülern Orientierung zu geben – bei einem Berufsparcours können sie spielerisch ihre Fähigkeiten und Eignungen testen. Eine Beispielstation aus diesem Parcours ist am Messestand aufgebaut: Einen Piepser, einen Taster und eine Batterie gilt es so zu verkabeln, dass der Piepser auf Tastendruck hin Laut gibt. Na, das ist ja einfach! Zunächst nehme man . . . oder, Moment, vielleicht doch eher so . . . oder . . . autsch, lieber schnell weiter zum nächsten Stand: Dort wirbt auf einem Plakat ein saumäßig ansteckend lachendes Mädchen mit verrußter Nasenspitze für den Schornsteinfegerberuf.

Von Bekanntem und Exotischem

Es gibt 349 Ausbildungsberufe in Deutschland, von A wie Änderungsschneider bis Z wie Zweiradmechaniker – aber 75 Prozent der Jugendlichen stürzen sich auf 12 Prozent der Möglichkeiten. Ein wichtiger Zweck so einer Messe ist es also, Alternativen anzubieten und Augen zu öffnen. Es gibt so vieles: Beim Schorndorfer Kaufhaus Bantel zum Beispiel kann man „Gestalterin für visuelles Marketing“ werden (der Volksmund nennt es „Schaufenster-Dekorateurin“), am „popcollege“ in Fellbach „Staatlich geprüfter Musik- und Sound-Designer“, beim Modehaus Peter Hahn „Fachinformatiker Systemintegration“ (er hilft zum Beispiel den Kollegen, wenn denen der Rechner abgestürzt ist – ein edles und löbliches Tun, wie jeder weiß, der am Computer arbeitet!). Vom Schreiner bis zum Bäcker, von der Elektro- bis zur Zahntechnik, von der BA-Ausbildung mit Fachrichtung Betriebswirtschaftslehre/Bank (klingt hervorragend, setzt allerdings ein Abi mit 2,0 voraus) bis zum Forstwirt beim Landratsamt (wer den Werbefilm sieht, in dem einer mit Motorsäge durch den romantisch verschneiten Wald streift, atmet gleich seelenvoll tief ein), von Kärcher bis Harro Höfliger, Bosch bis Stihl, von der Deutschen Bahn bis zur Bundespolizei – die von den Volks- und Raiffeisenbanken im Rems-Murr-Kreis mit 50 000 Euro unterstützte Messe zeigt manches scheinbar Vertraute in neuem Licht. Hier surrt ein Motorchen, da zuppelt ein Maschinchen – und die Auszubildenden an den Ständen sind auffallend freundlich, mitteilsam und motiviert.

 

 

 

06. März 2010
Waiblinger Kreiszeitung
von Peter Schwarz

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FOKUS BERUF 10  Die Ausbildungsmesse im Rems-Murr-Kreis
FR 05.03 | SA 06.03.2010  Schorndorf, Schulzentrum »Grauhalde«

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