"Wir brauchen gute Leute"Fokus Beruf: Nicht nur Jugendliche suchen Ausbildungsplätze, auch Ausbilder suchen dringend Azubis Von unserem Redaktionsmitglied Pia Eckstein WAIBLINGEN. "Hauptsache was werden" heißt's auf der Karte der Handwerkskammer. Aber was werden? Es gibt rund 350 Ausbildungsberufe, 100 davon im Handwerk. Alle versprechen Zukunft, manche sind Exoten. Und die Messe Fokus Beruf zeigt: Die Jugendlichen sind heute keine Bittsteller mehr, sondern in vielen Betrieben heiß begehrt. "Bitte schreiben Sie: Wir brauchen dringend gute Leute!" Dr. Anke Pfeifer, Lehrerin für alle Ausbildungsberufe in der Altenpflege an der Maria-Merian-Schule, wird regelrecht empathisch: Die Not ist groß in den Pflegeheimen. Dringend braucht's Pflegehelfer mit einjähriger Ausbildung, Altenpfleger mit dreijähriger Ausbildung und – ganz neu im Pflegeberufspotpourri – Alltagsbetreuer, also Menschen, die den Alten daheim im Alltag helfen. Es ist also tatsächlich so: Nicht nur Jugendliche suchen, teilweise verzweifelt, eine gute Ausbildungsstelle, sondern auch die Betriebe suchen, teilweise sehr verzweifelt, gute Auszubildende, die mit Engagement ihre Arbeit erst lernen und dann machen. Und Arbeit, das muss nicht immer das sein, das alle kennen, in das alle strömen. Nicht jede Frau muss Friseurin oder Kosmetikerin werden, nicht jeder junge Mann Kfz-Mechatroniker. "Es gibt mehr als fünf Berufe" heißt deshalb auch der Vortrag von Michaela Geya, ehemals Schreinerin, inzwischen in der Berufsorientierung der Handwerkskammer tätig. Tatsächlich: Es gibt rund 350 Ausbildungsberufe, 100 davon im Handwerk. "Handwerk", sagt sie, "ist überall, wir nehmen es nur nicht wahr." Neben bekannten Berufen wie dem Bäcker, dem Metzger, dem Schreiner gibt es auch so Spannendes wie den Orthopädiemechaniker, jenen Fachmann, der für Prothesen, Einlagen oder Korsetts zuständig ist. Dieser Beruf, sagt Michaela Geya, sei was für Leute, "die gern tüfteln". Der Orthopädiemechaniker geht mit allen möglichen Werkstoffen um, hat bei jedem Patienten andere körperliche Voraussetzungen zu bedenken und steht damit vor anderen Herausforderungen, muss mechanisches Wissen haben und mit dem Computer umgehen können, hat viel mit Menschen zu tun und bekommt deren Reaktion, nämlich das Strahlen, wenn die Schmerzen aufhören und der Körper, gut unterstützt, im Leben wieder besteht, direkt mit. Und wer einen Paralympics-Athleten betreut, landet sogar bei den Olympischen Spielen. Und was braucht's für diesen Traumberuf? Interesse für Biologie, denn der Orthopädiemechaniker muss Knochen und Sehnen und ihre Funktionen kennen. Wer sich allerdings durch diesen Lernstoff durchbeißt, der kann mit dem Meisterbrief in der Tasche sogar studieren gehen. Medizintechnik zum Beispiel oder Orthopädie- und Rehatechnik. Doch es gibt noch andere interessante Berufe, an die erst mal keiner denkt: Wie wär's mit einer Lehre zur Bestattungsfachkraft? Wer diesen Beruf ergreift, vereint Kaufmännisches mit Einfühlungsvermögen, kann sich auch in der Festgestaltung einbringen und muss organisieren können. Lieber etwas weniger Morbides? Dann vielleicht eine Lehre zum Schilder- und Lichtreklamehersteller? Dieser Beruf hat mit Grafikdesign und meistens auch mit der Werbebranche zu tun. Wer Schilder herstellt, kann Entwürfe zeichnen, ist mit Siebdruck zugange, hat ein Auge für Schrift und die Einteilung von Flächen. 115 freie Lehrstellen gibt es zurzeit im Rems-Murr-Kreis, außerdem sind noch 227 Praktika zu vergeben. Wer sich nicht sicher ist, wie die Zukunft aussehen soll, wendet sich einfach an die Handwerkskammer. Denn, wie heißt's in deren Werbespruch: "Mit 16 baust du noch Scheiße, mit 20 schon Hochseejachten."
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09. April 2011 |
Deine Zukunft – ganz nah
FOKUS BERUF 12 Die Ausbildungsmesse im Rems-Murr-Kreis
FR 09.03. | SA 10.03. 2012 Backnang, Hallengelände »Maubacher Höhe«