Wo bleibt die Motivation fürs Berufsleben?
Unternehmensberaterin Dominique Döttling: Die Berufspraxis wird von Lehrern und Eltern oft zu schlecht dargestellt
Von unserer Mitarbeiterin Johanna Ritter
WAIBLINGEN.
„Wir müssen positiver über
Arbeit reden“, sagt Dominique
Döttling. Die 40-jährige Unternehmensberaterin
war zum Auftakt
der Ausbildungsmesse Fokus
Beruf zu Gast in Waiblingen.
Eine Lehrstunde.
Feuereifer und Motivation – das sind die
Stichworte des Mittwochabends im Beruflichen
Schulzentrum Waiblingen. Expertin
ist Dominique Döttling, Unternehmensberaterin,
motivieren ist sozusagen ihr Job.
Aber es sollte wohl nicht nur ihr Job bleiben: „Die Berufspraxis wird zu schlecht
dargestellt von Lehrern und Eltern, aber
auch von Unternehmen. Das ist nicht sehr
motivierend.“ In Lehrbüchern stünde viel
von Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und den
negativen Aspekten der Globalisierung.
Viele Lehrer hätten nie die Chance gehabt
einmal die Praxis in der freien Wirtschaft
zu erleben. Eltern seufzten oft nur: „Genieße
deine Schulzeit, es wird nicht besser.“ Berufswahl sei zu Hause immer eher Problemthema.
Das einzige positiv besetzte
Wort in Unternehmensbroschüren sei oft „Ausbildungsplatzbonus“, der die finanzielle
Unterstützung von Unternehmen bezeichnet,
die schwervermittelbare Jugendliche
ausbilden. Nicht unbedingt ein positives
Wort für angehende Auszubildende.
Auch Selbstständige jammerten oft nur über ihre Arbeit. „Der positive Aspekt von Arbeit wird zu
oft verschwiegen“, so Döttling, „dabei verbringen
wir den größten Teil unseres Erwachsenenlebens
mit der Arbeit.“
Ihr fallen jede Menge positive Aspekte
ein: „Berufung, Sinn, Stolz, Selbstverwirklichung,
Verantwortung, Selbstverantwortung.
. .“. Es scheint, als könne sie die Liste
ewig weiterführen. Aber wie entwickelt
man diesen Feuereifer?
Fehler müsse man machen dürfen, ohne
dafür abgestraft zu werden: „Denn durch
Fehler lernt man.“ Was so einfach klingt,
werde gerade in Deutschland nicht umgesetzt.
Doch wer wisse, dass er auch mal „über das Ziel hinausschießen kann“, entwickele
eben jenen Feuereifer. Und jeder
müsse sich fragen: „Wie erzähle ich über
meine Arbeitswelt? Ist das motivierend?“
Der Fokus müsse zudem viel mehr auf das
Individuum, den Schüler oder Auszubildenden,
gesetzt werden. Talente müsse jeder
selber entdecken und schauen, wo er sie
einbringen kann. „Heute wird oft nur geguckt,
ob jemand irgendwie in einen Beruf
reinpasst. Das muss sich ändern.“ Aus der „Fokus Beruf“ werde so, wenn es
nach Döttling ginge, vielleicht einmal „Fokus
Schüler“. Und aus dem Fragezeichen
im Titel ihres Vortrags „Mit Feuereifer in
die Praxis?“ will sie schon bald ein Ausrufezeichen
machen.
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07. März 2008
Waiblinger Kreiszeitung
von Johanna Ritter
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