Ein Marktplatz für Lehrstellen
Ausbildungsmesse „Fokus Beruf 09“ in Backnang
Backnang (wgt)
Olivera, 15, und Jessica, 15, wissen schon, was sie nach der Mittleren Reife machen wollen: weiter zur Schule gehen. Die Schülerinnen der Salier-Realschule in Waiblingen haben sich bei der Ausbildungsmesse „Fokus Beruf“ in Backnang aber auch bei der Polizei informiert. Die meisten Berufe waren allerdings „eher etwas für Jungs“, meinten die beiden. Gestern ist der Marktplatz für Lehrstellen eröffnet worden.
„Ein wunderbarer Beruf“, schwärmt Manuela Gülcher über ihren Job bei der Bundespolizei. Als Mutter zweier Kinder kann die Polizeiobermeisterin, kurz POMin genannt, ihren Streifdienst am Stuttgarter Hauptbahnhof halbtags prima mit der Familie verbinden. Die Alternative zur Uniform der Bundespolizei wäre eine Ausbildung beim Zoll oder bei der normalen Polizei. Ausbildung in Uniform sei begehrt. Nur bei der Qualität der Bewerber hapert es, stelt der Einstellungsberater der Bundespolizei, Marc Palfi, der Jugend von heute ein schlechtes Zeugnis in Sachen Allgemeinbildung aus.
Daniel, 17, hat in zwei Wochen seinen Einstellungstest bei der Polizei. Seine Chancen genommen zu werden stehen „fifty-fifty“, schätzt der Hauptschüler aus Backnang. „Es hängt davon ab, ob man lernt oder nicht.“ Im Moment lerne er eher weniger.
Zum zweiten Mal haben die Agentur für Arbeit, die IHK, die Handwerkskammer, der Rems-Murr-Kreis, der Kreisjugendring und Südwestmetall eine Ausbildungsmesse im Rems-Murr-Kreis organisiert. An 86 Ständen in der Stadthalle, der Karl-Euerle-Sporthalle und in einem Zelt können sich Jugendliche und Eltern über Ausbildungsberufe von A wie Altenpfleger bis Z wie Zollbeamtin informieren. Gestern war der Tag der Schulen: Klassenweise strömten die Schülerinnen und Schüler durch die Gänge und nahmen an Workshops und Kurzpräsentationen teil, zu denen allein 800 Schüler angemeldet waren. Der Übergang von der Schule zum Beruf sei für viele Jugendliche „eine echte Geduldsprobe“, weiß Hans-Martin Gayer, Geschäftsführer der IHK- Bezirkskammer Rems-Murr. Er zitierte bei der Eröffnung, passend zur aktuellen Finanzkrise, den amerikanischen Präsidenten Benjamin Franklin mit den Worten: „eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“
Kevin Langer und Thomas Lehmann haben die Geduldsprobe hinter sich: Sie lernen Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk bei Freeglass in Schwaikheim. „Der Beruf hat Zukunft!“, sagt Thomas Lehmann. Den beiden Azubis gefällt ihr künftiger Beruf. Kevin träumte ursprünglich von einer Lehrstele als Kfz- Mechatroniker, doch reichten dafür seine Noten nicht. Mit Autos hat er jetzt weiterhin zu tun, denn Freeglass stellt Kunststoffscheiben für die Automobilindustrie her, die hohe Kunst des Kunststoffgießens. „Wenn man das beherrscht, kann man alles, was mit Kunststoffdruckguss zu tun hat“, sagt Thomas Lehmann selbstbewusst.
In einem Zelt an der Stadthalle haben sich die die Handwerker eingerichtet und präsentieren ihre Gewerke. Die süßen Stückchen, die die Azubis im ersten Lehrjahr bei der Bäcker-Innung auftischen, schmecken vielversprechend, und auch die Brezeln rollen sie mit geübter Hand aus und flechten sie mit flinken Fingern. Viel Handarbeit hier im Zelt, High Tech drüben in der Stadthalle: zum Beispiel bei den Volks- und Raiffeisenbanken, dich sich bei ihrer Berufsinformation über Bankkaufleute oder Finanzassistenten nicht mit schnödem Papier zufrieden geben, sondern die Info via Bluetooth direkt aufs Handy übertragen.
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07. März 2009
Zeitungsverlag Waiblingen
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